Zu wenig Geld für die Fahrt zum Arzt

Hallo,

meine Freundin ist viel im Positiven Forum unterwegs und durch das anstehende Treffen und meiner Idee dort eine Petition auszulegen, um Unterschriften für die HCV Entschädigung zu sammeln, wurde ich auf Robin Blood aufmerksam.

Ich muss zugeben, dass ich zu dem Personenkreis gehöre, der sich eher versteckt, aus Angst…….nur ein kleiner ausgewählter Kreis weiß von meiner Infektion. Mit den meisten stehe ich nicht mehr in Kontakt, da wir gebaut haben. Gerade jetzt merke ich, wie schwer es immer noch ist, darüber zu sprechen. Wir haben ganz tolle neue Freunde hier gefunden, wovon wir zwei – inzwischen wohnen wir nun seit 2 Jahren hier – zu unseren engeren Freunden zählen. Es ist mir ein großes Anliegen, sie über meine Situation aufzuklären, aber ich weiß nicht wie. Ich habe nicht den Mut, es geradeheraus zu sagen. Ich habe Angst.

Früher habe ich immer gesagt, die Infektion ist ein gutes Mittel, um die Spreu vom Weizen, die wahren von den falschen Freunden zu trennen. Doch da lebte ich in einer größeren Stadt, in der man ohne weiteres neue Freunde finden konnte. Nun wohnen wir auf dem Land in einem 300 Seelendorf, wo fast jeder jeden kennt, wo man sich trifft, einen trinkt, sich beim Einkaufen sieht, beim Bäcker……wie stell ich es an!?

Zu allem Überfluss kommen noch die Sorgen, wie es weiter gehen wird. Der Hausbau war sehr schwierig. Es ist nicht leicht, mit dem Schreiben einer Stiftung eine Finanzierung zu bekommen. Es gab sogar eine Bank, die wortwörtlich sagte:

„Herr **** (ich mache hier Sternchen, weil ich darum bitte, diesen Text als meine Geschichte zu veröffentlichen. Allerdings möchte ich anonym bleiben aus vorgenannten Gründen) Ihre finanzielle Situation ist kein Problem aber ihre Erkrankung“.

Danach habe ich ein Jahr gebraucht, um mich wieder zu fangen und meinen Traum vom eigenen Haus weiter zu verfolgen.

Nun haben wir es geschafft, naja, fast…..die Finanzierung lief nicht so wie geplant…

Altlasten, die ich unbedingt mit der Finanzierung tilgen wollte, wurden trotz ständiger Beteuerung meines Beraters „Das kriegen wir schon“ am Ende nicht getilgt. Dadurch habe ich nun sehr hohe Belastungen…Das gerade jetzt, wenn die Spritpreise in astronomischen Höhen dümpeln und die Lebensmittelindustrie ankündigt, dass die Kosten steigen werden. Ich sehe mich mein Haus schon wieder verkaufen. Das Problem wird sein, dass ich nicht annähernd genug für das Haus bekommen werde. Wir leben mehr oder weniger auf einer bewohnbaren Baustelle. Es fehlt einfach das Geld, um es fertig zu machen.

Ich könnte nun alles aufzählen, was hier noch gemacht werden müsste aber ich glaube, das gehört hier nicht her. Jedenfalls würde mir eine (rückwirkende-)Entschädigung mehr als helfen. Ich bekomme zwar das Geld von der Stiftung Humanitäre Hilfe und meine Erwerbsunfähigkeitsrente, doch das reicht schon lange nicht mehr, um angemessen zu leben. Schon, wenn die Fahrt in die Klinik ansteht, muss ich das Geld zum T anken zusammen kratzen. Wenn es wieder Zeit wird, die benötigten Medikamente in der Apotheke zu holen, bleibt einer meiner Gläubiger auf der Strecke.

Mit einer weiteren Zahlung durch eine HCV Entschädigung, könnte ich wenigstens meine Gläubiger der Altlasten schneller bedienen und zufrieden stellen, ja vielleicht sogar abschließen. Danach bleibt zwar immer noch offen, was nach Ablauf der Stiftung aus meinem Haus wird, doch bis dahin könnte ich wenigstens mit ein paar Sorgen weniger leben.

Und dies ist nur die Geschichte der vergangenen 3-4 Jahre.

Die HIV und HCV Infektion wurde bei mir am 06.12.1985! festgestellt und ich spüre, wie sich meine Lebensqualität ganz langsam aber sicher verschlechtert. Alles was ich mir wünsche, ist wenigstens halbwegs sorgenfrei und in Ruhe zu leben. Deshalb habe ich mir auch mit aller Kraft den Traum vom eigenen Haus verwirklicht. Ich konnte es einfach psychisch nicht mehr verkraften, in Mietwohnungen oder -häusern ständig vorgeschrieben zu bekommen, was ich zu tun und zu lassen habe. Das hat mich psychisch völlig fertig gemacht und mich unnötig Kraft gekostet. Hinzu kommt, dass niemand da ist, der uns bei solchen und ähnlichen Geschichten zur Seite steht. Niemand, der versteht, wie sehr uns ganz alltägliche Probleme mit denen sicher auch andere leben müssen, zusätzlich belasten und Kraft kosten.

Ich vergleiche meinen Körper gerne mit einem Akku. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören, in mich hinein zu schauen. Es gab sehr sehr oft Zeiten, in denen mein Akku nahezu ausgebrannt war. Und auch zur Zeit ist solch ein Zeitpunkt gekommen, an dem mein Akku sich dem Ende zuneigt. Ich brauche Ruhe und Frieden und einen klaren Kopf, um ihn wieder aufzuladen. Deswegen brauchen wir die Entschädigung und deswegen brauchen wir die Dynamisierung und die Anpassung.

Als bei mir AIDS ausbrach, steckte ich gerade inmitten meiner Ausbildung zum Energieelektroniker. Ich litt unter Gewichtsverlust, Müdigkeit und zahlreichen Erkrankungen. Und doch habe ich die Ausbildung durchgezogen mit der Begründung…“sollten sie jemals eine Heilmethode finden, habe ich wenigstens eine abgeschlossene Berufsausbildung, auf die ich aufbauen kann oder mit der ich zur Umschulung gehen kann“. Dieser Gedanke brachte mich durch die anstrengende Zeit.

Ihr macht Euch kein Bild oder? Ich erzähl es Euch, ich erzähl es gerne, denn ich bin wahnsinnig stolz darauf, was ich unter den gegebenen Umständen geleistet habe!

Ich habe von 3 1/2 Jahren Ausbildungszeit effektiv nur 2 1/2 Jahre gelernt, den Rest habe ich krank in Kliniken oder zu Hause verbracht. Ich bin im letzten Lehrjahr teilweise mit 40° Fieber in die Werkstatt gegangen, um mich auf die Prüfungen vorzubereiten.

Und ich habe bestanden! Das alles, während ich schon wusste, ich kann es mir sparen, denn ich werde aus der Ausbildung raus direkt in Rente gehen. Ich habe es durchgezogen und bin stolz darauf.

Auch auf mein Haus bin ich sehr stolz, auch wenn es nicht ganz so ist, wie ich es mir gewünscht habe.

Dies sind Dinge, die wichtig für uns sind. Die bauen uns auf. Trotz unserer Umstände, was zu erreichen, machen die uns stärker als andere und doch sind wir so schwach und auf Hilfe angewiesen.

In diesem Sinne möchte ich mich der Sache von Robin Blood anschließen!

Ich lebe meine Träume und träume nicht mein Leben, denn Hoffnung ist es, was mich am Leben hält!

PS: Vielleicht kommen ja einige Verantwortliche von Robin Blood zu unserem diesjährigen Forumstreffen!? Ich denke, es würden sich dann doch noch einige mehr den Bemühungen von Robin Blood anschließen.

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