Anlaufstelle für infizierte Hämophile und Angehörige

Published Oktober 17, 2013

Mit HIV und AIDS zu leben bedeutet mehr, als täglich seine Tabletten zu schlucken und regelmäßig beim Arzt die Laborwerte prüfen zu lassen. Es bedeutet, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Das können Fragen sein nach Beziehung und Partnerschaft, nach Sexualität, nach dem Sinn des Lebens; Fragen zu dem, was nach der Diagnose kommt; Fragen der Trauer, der Wut, der Angst. Fragen, die mein Umfeld betreffen; wem erzähle ich von meiner Infektion; wer sollte nichts davon erfahren. Fragen danach, wie ich meinen Lebensunterhalt weiterhin bestreiten kann.

Als erste Anlaufstelle für diese und weitere Fragen stellen sich die AIDS-Hilfen in der Öffentlichkeit dar. Doch wenn ich weder schwul noch drogensüchtig bin, weiß ich nicht, ob ich mich dort gut aufgehoben fühle. Hämophile und deren Angehörige befinden sich in dieser Situation: Es gibt viele Fragen und keine Idee, wer sie beantworten könnte.

Seit 1994 gibt es die AIDS-Seelsorge der evangelischen Kirche in Hamburg. Sie stellt sich deutlich sichtbar auf die Seite der Menschen mit HIV und AIDS und ist offen für alle Menschen mit HIV und AIDS. Sie fragt dabei nicht nach Kirchenzugehörigkeit, sexueller Zugehörigkeit oder Religion.

Ich habe mit Pastor Detlev Gause von der Hamburger AIDS-Seelsorge gesprochen und ihm von der besonderen Situation der Hämophilen und ihrer Angehörigen erzählt. Ich habe ihm von den Witwen und Waisen erzählt, in denen die Geschichten der Verstorbenen weiterleben.
Ich habe ihm erzählt, dass wir seit ca. 30 Jahren infiziert sind und dass viele von uns dieses verschweigen.

Jedoch kann ich kann ihm nur von dem erzählen, was ich selbst erlebt habe. Das ist nur mein kleiner Teil eines großem Bergs von unbeantworteten Fragen, Sorgen und Ängsten.

Ab sofort könnt Ihr Pastor Gause und seinem Team eure Geschichten erzählen und eure Fragen stellen. Nutzt diese Gelegenheit. Man wird euch geduldig zuhören. Ihr werdet nicht nach eurem Namen gefragt werden oder danach, wo ihr wohnt. Ihr werdet nur dann angerufen, wenn Ihr es ausdrücklich wünscht. Eure Privatsphäre bleibt geschützt.

Hier könnt Ihr über eure Sorgen, Ängste und Probleme reden. Ich habe es getan. Mir hat es geholfen, aus der Sprachlosigkeit hinauszufinden.

Ihr erreicht die AIDS-Seelsorge unter der Telefonnummer 040 280 44 62. Montags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr ist immer jemand zu erreichen. Wer lieber schreiben mag für den gibt es die Emailadresse info@aidsseelsorge.de.
Im Internet findet ihr die AIDS-Seelsorge unter www.aidsseelsorge.de.

Oktober 2013

Andreas Bemeleit
Email andreas@bemeleit.de

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