Rede auf der BAYER-AG Hauptversammlung 2013

Published Oktober 9, 2013

Guten Tag, verehrte Damen und Herren,

mein Name ist Andreas Bemeleit. In den 70er und 80er Jahren wurde ich, wie auch 4.500 weitere Bluter, durch verunreinigte Blutpräparate mit Hepatitis-C und HIV infiziert.
Auf der heutigen Versammlung wird Bilanz für das abgelaufene Jahr gezogen und Zahlen zur Geschäftsentwicklung werden präsentiert.

Die BAYER AG hat im letzten Jahr den höchsten Umsatz seit Gründung vor 150 Jahren erzielt.

Meine Bilanz der vergangenen Jahre ist durchweg negativ. Das ist Anlass für mich, Ihnen meine persönlichen Kennzahlen vorzustellen:

Berechnungen auf der Basis einer internationalen Kohorte mit 847 Blutern gehen nach 35 Jahren Infektionsdauer von einem 17% Risiko an einer Lebererkrankung zu sterben aus. Wenn zusätzlich noch eine HIV-Infektion vorliegt, verdoppelt sich das Risiko auf 35%. Von den in dieser Kohorte insgesamt beobachteten 847 mit Hepatitis-C Infizierten Blutern verstarben 55 an durch Hepatitis-C verursachte Erkrankungen, 13 an Leberkrebs.

Somit liegt liegt die Wahrscheinlichkeit für mich an der Hepatitis-C Infektion zu sterben bei 35%.

Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich den Körper eines 80 Jährigen. Ich habe den Großteil meiner Muskelmasse verloren. Mir wurde die Pflegestufe 1 zugewiesen. Von ursprünglich 74 Kg bin ich auf 57 Kg abgemagert.

Das ergibt einen Gewichtsverlust von 23%.

Seit Januar 1994 erhalte ich monatlich 3.000DM bzw. 1.533€ von der Stiftung Humanitäre Hilfe. Die Höhe der Zahlungen hat sich seit 1994 nicht verändert. Die BAYER AG weigert sich in unrühmlicher Gemeinschaft mit den anderen beteiligten Pharmaunternehmen die Stiftung mit ausreichend finanziellen Mitteln auszustatten.

Meine finanziellen Mittel sind in den letzten Jahren um 25% gesunken.

Das ist meine gesundheitliche und finanzielle Bilanz nach 30 Jahren mit Hepatitis-C und AIDS. Das sind die Fakten, mit denen ich lebe.
Eine 35% Chance an Hepatitis-C zu sterben. 23% Gewichtsverlust und 25% weniger Bezüge. Die einzige Ursache dafür ist Ihnen wohl bekannt.

So wie Ihre Bilanz veröffentlicht wird, so wird auch meine nicht im Privaten verbleiben.
Der Produzent des Films „Contergan -Eine einzige Tablette“ Michael Souvignier hat mein und das Schicksal Tausender weiterer Bluter zum Anlass genommen, den Blut-AIDS-Skandal zu verfilmen. Herr Souvignier hat mir in einem Schreiben versichert, dass die mangelnde Verantwortung der Pharmaunternehmen ein zentrales Thema des Films sein wird. Der Film wird im Herbst im ZDF zur besten Sendezeit ausgestrahlt.

Ich frage Sie, ob es im Angesicht des drohenden Reputationsverlustes für die BAYER AG ratsam ist, die Stiftung Humanitäre Hilfe finanziell abzusichern und schnellst möglich angemessene Entschädigungszahlungen auch für die mit Hepatitis-C Infizierten auf den Weg zu bringen ?

Die Grünenthal GmbH hat nach der Veröffentlichung des Films 50 Millionen Euro in die Conterganstiftung eingezahlt und darüber hinaus einen Fonds für Härtefälle initiiert.

Ich frage Sie, ob die BAYER AG vor hat zu warten, bis der öffentliche Druck groß genug ist, um Sie zu einem Einlenken zu bringen oder ob Sie gewillt sind, den drohenden Schaden für das Unternehmen jetzt abzuwenden ?

Es ist höchste Zeit, dass ich meiner verlustreichen Lebensbilanz positive Zahlen hinzufügen kann. Nicht um Reichtümer anzuhäufen, sondern um mit den mir zugefügten tödlichen Erkrankungen in Würde alt werden zu können.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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