Hepatitis-belastete Blutprodukte in den 80er Jahren „Infektionen billigend in Kauf genommen“

Published Januar 18, 2013

„Infektionen billigend in Kauf genommen“

Presse Information vom 18. Januar 2013

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Robin Blood (www.RobinBlood.org)

Hepatitis-belastete Blutprodukte in den 80er Jahren

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren und das Netzwerk Robin Blood kritisieren die in der vergangenen Woche veröffentlichten Antworten der Bundesregierung auf zwei Anfragen der Linkspartei zu Hepatitis-belasteten Blutprodukten (Drucksachen 17/10910 und
17/11934). Die Regierung bezeichnet die damaligen Infektionen Tausender Bluter darin als „schicksalhaft“.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Der Bundestags-Untersuchungsausschuss „HIV-Infektionen durch Blut und Blutprodukte“ (Bundestagsdrucksache 12/8591) kam zu dem Ergebnis, dass ab Ende 1982 nahezu alle Infektionen hätten verhindert werden können. Es ist nicht hinnehmbar, wenn Behörden und Industrie nun versuchen, die Geschichte umzuschreiben“.

Andreas Bemeleit, Betroffener und Gründer des Netzwerks Robin Blood, ergänzt: „Die pharmazeutischen Unternehmen haben aus reiner Profitgier unzählige Infektionen billigend in Kauf genommen. Die Bundesregierung hat seinerzeit ihre Aufsichtspflicht verletzt und sich zum Handlanger der Industrie gemacht. Der hilflos anmutende Verweis auf eine angebliche Schicksalhaftigkeit der Ereignisse zeigt, dass die Bundesregierung nicht gewillt ist, Verantwortung zu übernehmen und nicht fähig ist, ihre Positionen gegenüber der pharmazeutischen Industrie durchzusetzen.”

Etwa 90 Prozent des für die Gewinnung von Gerinnungsfaktoren verwendeten Blutplasmas wurden in den 70er und 80er Jahren aus den USA importiert. Dort galten andere Sicherheitsbestimmungen, u. a. wurden bis 1985 Risikogruppen wie Drogenabhängige, Prostituierte und Strafgefangene als Spender zugelassen. Eine risiko-mindernde Auswahl der Blutspender gab es meist nicht. Der in Deutschland seit 1976 vorgeschriebene ALT-Test wurde in den USA erst ab 1986 Pflicht. Zudem wurden Inaktivierungsverfahren zur Senkung der Infektionsgefahr wegen des Widerstands der Pharma-Industrie jahrelang nicht angewendet.

Andreas Bemeleit bezeichnet es als „erstaunlich“, mit welcher Vehemenz die Regierung die vorliegenden Fakten, darunter das Ergebnis des Untersuchungsausschusses, ignoriert: „Viele Infektionen hätten damals vermieden werden können, wenn das Bundesgesundheitsamt auf die Verwendung virus-inaktivierter Präparate bestanden hätte. Stattdessen ließ sich das BGA in eine jahrelange Diskussion mit der Industrie verwickeln, die die teuren Umstrukturierungen in den Fertigungsbetrieben vermeiden wollte. Fast 75 Prozent der Infektionen erfolgten in diesem Zeitraum.“

Weltmarktführer damals war der Leverkusener BAYER-Konzern. Nach dem Verbot unbehandelter Blutprodukte in den USA und Europa hatte das Unternehmen die übriggebliebenen Chargen nach Lateinamerika und Asien exportiert, wo es zu weiteren Infektionen kam.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kooperiert seit 25 Jahren mit HIV- und Hepatitis-infizierten Blutern. Ziele der Kampagne sind eine dauerhafte Stiftungslösung, die den Betroffenen ein würdiges Leben ermöglicht, sowie strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen in der Pharma-Industrie.

Weiterführende links unter http://www.cbgnetwork.org/4818.html .

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