Der Blut-AIDS-Skandal ist kein Skandal

Published Januar 13, 2013

In Deutschland leben circa 7.000 Bluter. Sie müssen sich regelmäßig die ihnen fehlenden Gerinnungsfaktoren spritzen, um nicht zu verbluten.
Zur Herstellung von Gerinnungsfaktoren ist Blutplasma nötig, welches aus Spenderblut gewonnen wird.
In den 80er Jahren wurde etwa die Hälfte der Bluter mit HIV und nahezu alle, die nicht virusinaktivierte Medikamente erhalten hatten, mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. Hunderte starben an den Folgen von AIDS. Alle Überlebenden müssen befürchten, an Leberkrebs zu sterben.

Dies wird allgemein als der größte Medizinskandal nach Contergan benannt. Wer sich näher mit den Geschehnissen beschäftigt, dem drängt sich die Vermutung auf, dass „Skandal“ nicht nur die falsche sondern eine irreführende Bezeichnung ist, die einzig und allein dem Schutz der wirklich Verantwortlichen für das Geschehene dienen soll.

Einige Infizierte haben die tödlichen Angriffe auf ihre Gesundheit überlebt und untersuchen die vorhandenen Akten und Unterlagen, um die wirklich Schuldigen zu benennen und anzuklagen.

Der Bundesregierung wird vorgeworfen, durch die Passivität des Bundesgesundheitsamts eine entscheidende Mittäterschaft am Tod hunderter Bluter zu haben. Viele Infektionen hätten vermieden werden können, wenn das Bundesgesundheitsamt auf die Verwendung virusinaktivierter Medikamente bestanden hätte. Stattdessen ließ sich das Bundesgesundheitsamt in eine mehrere Jahre dauernde Diskussion mit den Herstellern der Medikamente verwickeln, die die sehr teuren und technisch aufwändigen Umstrukturierungen in den Fertigungsbetrieben vermeiden wollten. Im Nachhinein ist bekannt, dass in diesem Zeitraum fast 75% der Infektionen erfolgten.

Die Regierung wurde wiederholt mit dem Vorwurf der Mittäterschaft konfrontiert. Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz die Regierung die vorhandenen Fakten, darunter das belastende Ergebnis des Untersuchungsausschusses, ignoriert und weiterhin so tut, als wäre sie sich keiner Schuld bewusst.
Auf eine aktuelle Anfrage der Fraktion ‚Die Linke‘ zum Thema Hepatitis-C Infektionen durch verseuchte Blutprodukte erwidert die Bundesregierung, dass das Schicksal für die Infektionen verantwortlich ist.
Dieser hilflos anmutende Verweis auf die Schicksalhaftigkeit der Ereignisse zeigt, dass die Bundesregierung nicht gewillt ist, Verantwortung zu übernehmen und nicht fähig ist, ihre Positionen gegenüber der pharmazeutischen Industrie durchzusetzen.

Dass belastende Unterlagen in diversen Archiven zu verschwinden drohen oder gar der Vernichtung zugeführt werden, wie eine weitere Anfrage der Fraktion ‚Die Linke‘ ergab, fügt sich in die Kette der Leugnungen ein.

Die Einlassung der Bundesregierung, dass durch die Mischung von mehreren Tausend Blutspenden und die Vielzahl der den Blutern verabreichten Medikamente zwangsläufig alle Bluter mit Hepatitis-C infiziert wurden greift nicht. Die Bundesregierung ignoriert die Tatsache, dass die zu rd. 90% aus den USA stammenden Ausgangsplasmen der im Geltungsbereich des AMG’76 in den Verkehr gebrachten Gerinnungsfaktoren hinsichtlich der Spenderuntersuchung nicht den spezifizierten „Mindestanforderungen“ der Plasmapherese-Richtlinien 1976/78 entsprachen und die betreffenden Endprodukte infolgedessen als „bedenklich“ i.S.d. § 5 Abs. 2 AMG’76 zu beurteilen waren. (Gerhard Scheu, in dubio pro securitate, Seite 306ff; siehe auch Herbert Büttner, Die Arzneimittelsicherheit bei Humanarzneimitteln, mit besonderer Betrachtung des Einflusses von Krisenfällen auf die Regelsetzung, Seite 57)

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses „HIV-Infektionen durch Blut und Blutprodukte“ Dr. Gerhard Scheu hat in seiner Dissertation die Erkenntnisse des Untersuchungsausschusses mit weiteren Unterlagen verknüpft und zeigt eindrucksvoll den zeitlichen Ablauf . Angefangen bei den ersten Zweifeln bis hin zu dem bekannten katastrophalen Finale.

Unter Berücksichtigung aller vorhandenen Unterlagen kommt man zu folgender Bewertung der Ereignisse:

Die pharmazeutischen Unternehmen haben aus reiner Profitgier unzählige Infektionen billigend in Kauf genommen. Die Bundesregierung hat ihre Aufsichtspflicht verletzt und sich somit zum Handlanger der pharmazeutischen Industrie degradiert. Oder um es mit den Worten von Dr. Peter Gauweiler zu sagen: Das Verhalten der Gesundheitsbehörden ist schlicht ein Verbrechen.

Wer bei dieser Sachlage weiterhin von einem Skandal spricht, ignoriert, dass die in Kauf genommene mehrfache Tötung aus Habgier als das grausamste vorstellbare Verbrechen zu bewerten ist, das niemals verjährt: Mord.

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